EU-Lohntransparenz 2026: Was du im Bewerbungsprozess jetzt verlangen darfst
Zuletzt aktualisiert: 20. Juli 2026 · 6 min Lesezeit · Redaktioneller Inhalt, keine Rechtsberatung.
Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie ist bis 7. Juni 2026 in nationales Recht umzusetzen. Was das konkret für dein Gehalt und dein Bewerbungsgespräch bedeutet.
Redaktioneller Inhalt, keine Rechtsberatung. Alle Angaben aus offiziellen Quellen (siehe unten).
Der neue Rahmen
Die Richtlinie (EU) 2023/970 ("Pay Transparency Directive") stärkt die Durchsetzung des Grundsatzes gleiches Entgelt für gleiche oder gleichwertige Arbeit zwischen Männern und Frauen. Die Mitgliedstaaten haben sie bis zum 7. Juni 2026 in nationales Recht umzusetzen (Art. 34).
Was das im Bewerbungsprozess ändert
Konkret hat sie unmittelbare Auswirkungen auf jede Bewerbung:
- Auskunft vor der Bewerbung: Arbeitgeber müssen Bewerber:innen das Einstiegsgehalt oder die Gehaltsspanne der Stelle mitteilen — spätestens vor dem Vorstellungsgespräch (Art. 5 Abs. 1). Dies kann bereits in der Stellenanzeige geschehen.
- Verbot der Gehaltsfrage: Arbeitgeber dürfen Bewerber:innen nicht nach ihrem bisherigen Gehalt fragen (Art. 5 Abs. 2). Ein "Was verdienen Sie aktuell?" ist damit unzulässig.
- Neutrale Ausschreibung & Titel: Stellenanzeigen und Rollenbezeichnungen müssen geschlechtsneutral formuliert sein (Art. 5 Abs. 3).
- Recht auf Auskunft nach Einstellung: Beschäftigte haben Anspruch auf Information zu ihrem eigenen Entgelt und zu den Durchschnittsentgelten getrennt nach Geschlecht für gleiche oder gleichwertige Arbeit (Art. 7).
Deine 3 Recruiting-Regeln für 2026
1. Frag nach der Spanne. Wenn sie fehlt, hol sie ein — höflich, vor dem Interview. Das ist ein europarechtlich abgesicherter Anspruch. 2. Beantworte die Frage nach deinem aktuellen Gehalt nicht. Verweise stattdessen auf deine Zielvergütung basierend auf Marktdaten und Verantwortung. Die Frage darf nach Umsetzung der Richtlinie so nicht mehr gestellt werden. 3. Verhandle auf Basis der Spanne — nicht deiner Historie. Der Bezugspunkt ist die Bewertung der Rolle, nicht dein Gehaltssprung.
Und in Deutschland konkret?
Deutschland hatte bereits vor der Richtlinie das Entgelttransparenzgesetz (EntgTranspG) — dieses wird 2026 im Rahmen der Umsetzung der Richtlinie erweitert. Sobald ein nationales Umsetzungsgesetz verkündet ist, gelten dessen konkrete Ausgestaltungen; die Kernrechte der Richtlinie sind aber ab dem Stichtag europarechtlich verbindlich.
Fazit
Ab 2026 verhandelst du nicht mehr gegen eine Wand: Die Spanne muss offen sein, deine Gehaltshistorie darf keine Rolle mehr spielen. Nutze das.
